El Salvador

El Salvador ist das kleinste und zugleich am dichtesten besiedelte Land Zentralamerikas. Schon vor der spanischen Eroberung war das Hochland von verschiedenen Indiovölkern vergleichsweise dicht besiedelt. Etwa 120.000 Angehörige der Pipil mit toltekisch-aztekischem Ursprung, der Pokoman (Maya) und Lenca teilten sich das Land, auf dem heute über 6 Millionen Menschen leben. Die Salvadorianer zählen sich selbst zu 90% zu den Mestizen genannten Mischlingen zwischen Spaniern und Indios, obwohl vielen die indianische Herkunft von den Gesichtern abzulesen ist. Das Sozialprestige verbietet es ihnen, sich zu den "primitiven" Indios zu zählen. Sie feiern zwar deren Feste mit, aber sie haben keine gemeinsame kulturelle Identität. Das große Erbe der Vergangenheit wurde durch das Christentum und noch mehr durch die Anpassung an die "Zivilisation" verschüttet. Heute erinnert nur noch die Folklore an alte Traditionen. Etwa 90% der "Guanacos"- so lautet der Spitzname für die Bewohner von El Salvador - sprechen die spanische Landessprache und nur noch 10% eine der indianischen Lokalsprachen. Über 90% der Bewohner eines Landes, das nach dem Erlöser benannt ist und in dem fast jeder Berg den Namen eines Heiligen trägt, bekennen sich zum Katholizismus, aber nur etwa 10% praktizieren ihren Glauben. Die katholische Kirche hat sich von einer konservativen Kraft zu einer Verteidigerin der sozialen und politischen Menschenrechte gewandelt. Der von Todesschwadronen ermordete Erzbischof von San Salvador, Oscar Romero (1917-1980), wurde zum Symbol der Märtyrer dieser Wende. El Salvador hatte in den 1970er und 1980er Jahren eine der höchsten Wachstumsraten der Bevölkerung in der Welt. Innerhalb der letzten zwanzig Jahre hat sie um über die Hälfte zugenommen. Zwar ist die jährliche Wachstumsrate seit einigen Jahren rückläufig, doch dies ändert nichts an der Tatsache, daß das Land bereits heute in der "Bevölkerungsfalle" gefangen ist, d.h. es kann kaum noch Landreserven erschließen; es kann auch durch eine Umverteilung des Landes und Umpolung seiner Exportorientierung kaum die schnell wachsende Menschenzahl produktiv beschäftigen und ausreichend ernähren. Die stillschweigende Ausdehnung der Siedlungsgrenze bis tief in das Staatsgebiet von Honduras war eine wesentliche Ursache für den 1969 zwischen den beiden Staaten ausgetragenen "Fußball-Krieg". Die Binnenwanderung aus den vernachlässigten Randprovinzen und die vom Bürgerkrieg ausgelösten Fluchtbewegungen in die landwirtschaftlich und industriell höher entwickelten Kernprovinzen Sonsonate, La Libertad und San Salvador verschärften hier den Bevölkerungsdruck und die Arbeitslosigkeit: Gut die Hälfte der Salvadorianer hat keine geregelte Arbeit. Ebenso viele leben bereits in den Städten, die längst unfähig sind, den wachsenden Strom von Zuwanderern mit Arbeit, Wohnung, Schulen, Krankenhäusern sowie Trinkwasser zu versorgen. Auch ein hohes industrielles Wachstum in den 1960er und 1970er Jahren, das El Salvador zum industriell am weitest entwickelten Land innerhalb des "Zentralame- rikanischen Gemeinsamen Marktes" machte, konnte die Arbeitslosigkeit nicht abbauen. Wer kein Land und keine Arbeit hat und sich mit Gelegenheitsarbeiten über Wasser halten muß, kann sich vieles nicht leisten, was ein lebenswertes Leben ausmacht. Die Statistiken verzerren mit Durchschnittszahlen die elenden Lebensbedingungen der Bevölkerungsmehrheit. Die durchschnittliche Lebenserwartung bei Geburt liegt bei ihr mit schätzungsweise 69 Jahren am unteren Ende, die Sterblichkeit infolge von Malaria an der Spitze im lateinamerikanischen Vergleich. Der Bürgerkrieg hat die schlechte medizinische Versorgung des Hinterlandes noch verschlimmert. Alphabetisierungsprogramme haben zwar den Anteil der Analphabeten verringert, aber er liegt auf dem Land nach wie vor bei 42%. Über drei Viertel der schulpflichtigen Kinder beginnen eine Schulausbildung, aber nur ein Fünftel schließt die Grundschule ab. In den Kampfzonen hatte der Bürgerkrieg das Bildungswesen völlig lahmgelegt. Die Ursache für die Massenverelendung liegt jedoch nicht allein im Krieg, sondern in der "strukturellen Gewalt" auf dem Land. Die schlechten Lebensverhältnisse auf dem Land treiben viele in die Hoffnungslosigkeit der Städte. Die Erlöse der Kleinbauern reichen in der Regel nicht aus, um ihre Familien mit dem Lebensnotwendigsten zu versorgen. Eine durchschnittlich große Bauernfamilie brauchte zur Existenzsicherung eine Betriebsfläche von etwa 10 ha. Tatsächlich verfügen gut zwei Drittel der Kleinbauern über weniger als 2 ha. 63 Großbetrieben gehörte vor der zu Beginn der 1980er Jahre eingeleiteten Agrarreform ebensoviel Land wie nahezu 200.000 Kleinbauern. Sechs Familien aus der einflußreichen Oligarchie der sogenannten "14 Familien" besaßen so viel Land wie 80% der armen Bauernfamilien. Die große Mehrheit der Kleinbauern lebt außerdem auf Pachtland, meist in ungesicherten Rechtsverhältnissen, und ist deshalb immer von Vertreibung bedroht. Es waren vor allem diese krassen sozialen Gegensätze und der Terror von Militärdiktaturen, die zum Bürgerkrieg führten. Dieser kostete bis zum Frieden 1992 rd. 80.000 Menschen das Leben, machte Hunderttausende zu Flüchtlingen, zerstörte viele Verkehrs- und Versorgungseinrichtungen, beschleunigte die Kapitalflucht und lähmte die gesamte Wirtschaft. Die von ihm in den Jahren 1981 bis 1986 angerichteten Schäden wurden auf 1,2 Milliarden US-Dollar geschätzt. Ungefähr so viel Wirtschaftshilfe leisteten die USA in demselben Zeitraum. Der Krieg und seine Folgen, die auch heute noch überall zu spüren sind, bestimmten den Alltag der Salvadorianer.

Copyright:Alle Länder dieser Erde. Band 1, Sonderausgabe in 2 Bänden, Reader's Digest (Hg), Bertelsmann, Gütersloh/München, 2001, S.378f

Hospital de ninos Benjamin Bloom

[Gewusstwo] [Content] [Whats up calender] [Netherlands] [English] [About us] [My Life] [Nordic Walking] [German holidays] [Travelling] [Austria] [Bahamas] [Bahrain] [Belize] [El Salvador] [Germany] [Guatemala] [Honduras] [Indien] [Italy] [Israel] [Mexico] [Philippinen] [Puerto Rico] [Russland] [St  Maarten/Ned. Ant.] [Thailand] [Tunesia] [Turkey] [Education] [Rescue 112] [News german] [Theatre Frankfurt a.M.] [Tickets Frankfurt a.M.] [Links] [Feedback]